Momentaufnahme #2: Meister der Herzen

Der Ball ruht. Waren es vor Jahren gemeinsame Aktionen der Vereine gegen die Einführung der Registrierkassenpflicht ist jetzt das Corona-Virus der Auslöser für die Leere auf den Fussballplätzen. Der Spielbetrieb wurde komplett eingestellt. Es gibt keine Meister und keine Absteiger.

Die Stadtblattserie #meinestadt #meinverein zum nachlesen

Innsbrucker AC / IAC

SK Wilten

SPG Innsbruck West

Die Bedeutung der acht Innsbrucker Fussballvereine für den Alltag in den unterschiedlichsten Bereichen ist unumstritten. Von Kampfmannschaften bis zu den Miniknaben sind bei den Vereinen FC Wacker Innsbruck, SVG Reichenau, SVI, Union Innsbruck, IAC, SPG Innsbruck West, FC Veldidena und SK Wilten (diese acht Mannschaften sind beim Tiroler Fußballverband gemeldet) unzählige Spieler, Trainer, Betreuer, Ehrenamtliche oder Vorstandsmitglieder im Einsatz für das „wichtigste Hobby“.

Mit dem Beschluss, die Meisterschaften der Amateurmannschaften, Damen und Nachwuchsteams abzubrechen wurde das fussballfreie Halbjahr 2020 besiegelt. Seit Wochen dürfen die Sportplätze nicht betreten werden, Trainings nicht stattfinden, Spiele jederart nicht durchgeführt werden. Nicht nur der Meisterschaftsbetrieb, sondern auch die zahlreichen Nachwuchs- und Dorfturniere, neben den sportlichen und gesellschaftlichen Faktor stellen diese Turniere auch wichtige Einnahmequellen für die Vereine dar, mussten abgesagt werden.

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(Foto: zeitungsfoto.at/Daniel Liebl) Statt Meisterfeier nur ein leerer Platz. In der Wiesengasse darf sich der SVI und in der Radetzkystraße am ASKO-Platz der IAC nur als „Meister der Herzen“ fühlen.

Hans Niessl (Sport Austria Präsident) meint: „Besonders wichtig ist mir, erneut darauf hinzuweisen, dass Österreichs 15.000 Sportvereine weiterhin Fixausgaben zu begleichen haben und derzeit keine Einnahmen lukrieren können! Es ist deshalb drängend, sowohl den Spitzensport als auch den Breitensport nach ähnlichen Kriterien wie in der Wirtschaft zu helfen. Deshalb hoffe ich darauf, dass die Gespräche mit dem Finanzminister zu einem raschen Ergebnis führen. Die Vereine brauchen Klarheit. Sie müssen wissen, wohin sie sich wenden können, um finanziellen Unterstützung für ihre Ausfälle zu bekommen. Die Uhr tickt! Schließlich benötigen wir nach der Krise unsere Sportvereine mehr denn je, um die Menschen in Bewegung zu bringen und damit einen wesentlichen Beitrag zur Gesundheit zu leisten.“
Der ÖFB hat entschieden. Im Amateurfussballbereich wird es für diese Saison keine Absteiger und keine Meister geben. Alle Ligen (außer die zwei obersten Spielklassen) wurden abgebrochen, die einzelnen Beschlüsse:

  • Da die Fußball-Saison 2019/20 bis zum vorgesehenen Endtermin am 30. Juni aufgrund der behördlichen COVID-19 Anordnungen nicht vollständig durchgeführt werden kann, werden alle Bewerbe mit Ausnahme der höchsten beiden Männer-Spielklassen und des Männer-Cup-Finales beendet (Siehe Punkt zwei)
  • Die Österreichische Fußball-Bundesliga wird ermächtigt, ihre Bewerbe unter Einhaltung der behördlichen Auflagen – notfalls unter Ausschluss der Öffentlichkeit – fortzuführen.
  • Das ÖFB-Cupfinale soll unter Einhaltung der behördlichen Auflagen – notfalls unter Ausschluss der Öffentlichkeit – und soweit möglich als erstes Pflichtspiel ausgetragen werden.

Für alle nicht vollständig durchgeführten Bewerbe (Frauen, Männer, Nachwuchs, TFV-Kerschdorfer-Tirol-Cup, Futsal) gilt:

  • – Der Bewerb wird nicht gewertet
  • – Es gibt keinen Meister bzw. Cupsieger
  • – Es gibt keine(n) Aufsteiger
  • – Es gibt keine(n) Absteiger
  • Die Nennung für die europäischen Bewerbe hängt von einer ordnungsgemäßen Durchführung der Meisterschaft und des Cups ab. Sollte dies nicht möglich sein, wird das ÖFB-Präsidium entsprechende Beschlüsse fassen.
  • Die den Landesverbänden zustehenden Startplätze für den ÖFB-Cup 2020/21 werden von diesen vergeben.
  • Über den Beginn der Bewerbe 2020/21 wird unter Berücksichtigung der behördlichen Vorgaben entschieden.

Das Rechtsgutachten des ÖFB kann hier nachgelesen werden.

Innsbrucker Kampfmannschaften

Ein Blick auf die Mannschaften aus Innsbruck, die beim TFV gemeldet sind:
FC Wacker Innsbruck, Hybet 2. Liga, die Meisterschaft soll zu Ende geführt werden, Aktuell liegt der FCW mit 30 Punkten auf Rang 3 der Tabelle, 15 Punkte hinter dem Tabellenführer, 9 Punkte vor einem Abstiegsplatz
SVG Reichenau, Regional Liga Tirol, Meisterschaft abgebrochen, im Grunddurchgang erreicht die SVG Reichenau den dritten Tabellenplatz
SVI, Hypo Tirol Liga, Meisterschaft abgebrochen, SVI lag mit 7 Punkten Vorsprung an der Tabellenspitze
Union Innsbruck, Hypo Tirol Liga, Meisterschaft abgebrochen, UNION lag mit 8 Punkten Rückstand auf Platz 13 (Nichtabstiegsplatz) auf dem letzten Tabellenplatz
IAC, Landesliga West, Meisterschaft abgebrochen, IAC lag mit 5 Punkten Vorsprung an der Tabellenspitze
SPG Innsbruck West, Landesliga West, Meisterschaft abgebrochen, SPG lag mit 11 Punkten auf dem 11. Tabellenrang, drei Punkte vor einem Abstiegsplatz
FC Veldidena, Bezirksliga West, Meisterschaft abgebrochen, FC Veldiena lag mit 20 Punkten auf Rang 6 der Tabelle, 10 Punkte vor einem Abstiegsplatz
SK Wilten, Bezirksliga West, Meisterschaft abgebrochen, SK Wilten lag mit 18 Punkten auf Rang 9 der Tabelle, 8 Punkte vor einem Abstiegsplatz

 

Stellungnahme von TFB Präsidenten Sepp Geisler

Sehr geehrte Vereinsvertreter,
liebe Fußballfreunde,
am Mittwoch ist also – wie inzwischen wohl allgemein bekannt – die einstimmige Entscheidung durch das ÖFB Präsidium (13 stimmberechtigte Mitglieder), dem auch ich angehöre, gefallen.  Wie ich in meiner letzten Information II vor Ostern bereits anklingen habe lassen, ist mir durchaus bewusst, dass diese Beschlussfassung nicht bei allen Vereinen gleichermaßen Zufriedenheit hervorruft. Es ist verständlich und mir auch klar, dass es Härtefälle gibt und eben nicht alle Interessen auf einen gemeinsamen Nenner gebracht werden konnten. Diese Situation gibt es derzeit aber nicht nur im Fußball.
Ich will aber absichtlich in diesem Zusammenhang nicht von „Gewinnern“ und Verlierern“ sprechen. Verlierer in dieser ganzen Situation ist nämlich ohnedies und zu unser allem Bedauern der Sport als solcher. Als Gewinner können sich all jene betrachten, die diese Krise gesund überstehen und die keine Familienmitglieder oder Freunde an dieses Virus verloren haben.
Als grundsätzlich positiv empfinde ich es, dass nun endlich Klarheit über das weitere „Schicksal“ der Meisterschaft immerhin bis zur Regionalliga herrscht. Gleichzeitig müssen wir uns aber auch vor Augen halten, dass der Neustart im Herbst noch nicht gesichert ist, da derzeit niemand den weiteren Verlauf und die dafür notwendigen Maßnahmen abschätzen kann (Thema „Zweite Welle“, usw.).
 
Da diese Entscheidung bei manchen – für mich auch verständlich – auf Unverständnis stößt, ist es mir ein Anliegen, in diesem Rahmen in aller Kürze darzulegen, warum diese Entscheidung so ausgefallen ist und warum es – vor allem unter Bedachtnahme auf das vom ÖFB eingeholte Rechtsgutachten – keine Alternative dazu gibt.
Ich gehe davon aus, dass doch viele von Euch grundsätzlich Verständnis dafür aufbringen können, dass eine Meisterschaft, die nicht – wie am Beginn jeder Meisterschaft festgelegt bis spätestens 30.06. – zu Ende gespielt wird bzw. wegen behördlicher Vorgaben nicht zu Ende gespielt werden kann, auch nicht gewertet werden kann, es also keinen Meister, Auf- oder Absteiger, geben soll. Zu diesem Ergebnis kommt auch Dr.  Martin KAROLLUS, ein renommierter Universitätsprofessor an der Johannes Kepler Universität Linz in seinem Rechtsgutachten. Mit diesem Gutachten habe ich mich ausführlich befasst und es genau nach jenen Kriterien betrachtet, wie ich es auch in meiner ehemaligen jahrzehntelangen Tätigkeit als Berufsrichter getan hätte.  Ist es schlüssig, ist es nachvollziehbar und ist es in sich widerspruchsfrei? Das Rechtsgutachten erfüllt alle diese Kriterien, weshalb es auch von ALLEN Präsidiumsmitgliedern für die Entscheidung herangezogen wurde.
 
Dieses von mir vorhin angesprochene Verständnis ist auch aus unseren gültigen Bestimmungen (Meisterschaftsregeln des ÖFB usw.), die von uns über Jahre erarbeitet, beschlossen und eingehalten wurden, abzuleiten. Dennoch weisen die Bestimmungen zugegebenermaßen aber auch insofern Lücken auf, als sie für eine so spezielle Situation, wie wir sie jetzt vorfinden, keine ausdrücklichen Regeln beinhalten. Diese Lücken sind natürlich dem Umstand geschuldet, dass wohl niemand von uns und folglich auch niemand von den bestimmungsgebenden Organen im Fußball damit gerechnet hat, dass die ganze Welt und damit auch der Fußball einmal vor einer solche Herausforderung gestellt werden.
Für die Zukunft gilt es, unsere Bestimmungen entsprechend zu ergänzen und explizit festzuschreiben, ab wann die Voraussetzungen für die Wertung eines Bewerbes vorliegen und welche genauen Konsequenzen damit verbunden sind.
 
Das Präsidium des ÖFB hatte angesichts der Brisanz und der Dringlichkeit dieser Angelegenheit, keine Möglichkeit, die Vereine (weit mehr als 2000 in ganz Österreich) durch Umfrage direkt in den Entscheidungsprozess einzubinden.
Ich persönlich habe mir in meiner Aufgabe als Interessensvertreter aller (!) Tiroler Vereine – welche ich sehr ernst nehme – im Präsidium des ÖFB die letzten Wochen all eure eingegangenen Meinungen zu Herzen genommen und sämtliche Szenarien durchgedacht.
Schlussendlich gab es aber keine andere Auslegungsmöglichkeit unserer Bestimmungen, vor allem nicht in Richtung einer Beendigung unter Beibehaltung der Wertung / „Wertung trotz Beendigung“. Der Grund dafür ist relativ einfach – es wurden schlichtweg noch nicht alle vorgesehenen Spiele durchgeführt, weshalb das Mindesterfordernis für einen regelkonformen Meisterschaftsbewerb laut § 11 Absatz 1 der Meisterschaftsregeln des ÖFB (jeder Verein muss gegen jeden anderen Verein seiner Klasse zumindest zweimal antreten) nicht erfüllt ist. Der 30.06.2020 ist ein zwingender Endtermin für die Durchführung der Meisterschaftsbewerbe, weil ansonsten vor allem wegen des Auslaufens von Spieler- und Leihverträgen kein fairer und sportlicher Wettbewerb gewährleitet gewesen wäre. Schließlich muss auch jeder Verein darauf vertrauen können, dass eine Meisterschaft nach den Regeln gespielt wird, wie sie am Beginn der Meisterschaft feststehen (Prinzip des Vertrauensschutzes).
Für alle, die das Gutachten noch nicht kennen, folgt hier der entsprechende Link dazu, wobei ich darauf hinweisen möchte, dass ab Seite 58 das Gutachten eine übersichtliche Zusammenfassung enthält (insbesondere Punkte 10. 11. und 12.)  https://www.oefb.at/oefb/Rechtsgutachten-zur-Corona-Pandemie-vom-15-April-2020.pdf
 
Das Präsidium des TFV, indem alle Bezirks- und Klassenobmänner stimmberechtigt sind, wird demnächst über die weitere Vorgehensweise (Ausschreibung der Meisterschaft 2020/2021, Mannschaftmeldungen, Reform der 2. Klassen usw.) beraten und entscheiden. Weiters gilt es die vier Teilnehmer des TFV für den ÖFB UNIQUA CUP 2020/2021 nach sportlichen und objektiven Kriterien festzulegen.
Selbst wenn wir uns leider  noch eine Weile in einer Phase befinden werden, in der wir stets neue Situationen vorfinden  und Herausforderungen in diesem Zusammenhang zu bewältigen haben, auf welche wir keinen Einfluss haben (behördliche Vorgaben), sollten  wir dennoch  gemeinsam positiv in die Zukunft schauen und uns vorsichtig, aber doch hoffnungsvoll auf einen Start im Herbst 2020 vorbereiten.
 
Gerne würde ich NEUES zur finanziellen Unterstützung der Vereine für die von ihr im Zusammenhang mit der CORANAKRISE erlittenen Schäden mitteilen. Es gibt in diesem Zusammenhang jedoch noch nichts Konkretes. Ich kann Euch aber versichern, dass der ÖFB intensiv mit Regierungsvertretern diesbezüglich laufend in Kontakt steht und demnächst entsprechende Ergebnisse präsentiert werden können, weil wie es der ÖFB Präsident bereits ausgedrückt hat, nur eine rasche Hilfe auch eine wirksame Hilfe ist. Natürlich bin ich diesbezüglich auch mit unserem Sportlandesrat LHStv Josef Geisler in Kontakt.
 
Es bleibt jedem Verein unbenommen, entsprechende rechtliche Schritte zu setzen, wenn er der Ansicht ist, dass das Präsidium des ÖFB rechtswidrig gehandelt hat.
 
Abschließend darf ich Euch noch um jenes Verständnis für mein Stimmverhalten und die Entscheidung des ÖFB Präsidiums ersuchen, das auch ich für die jetzt unzufriedenen Vereine habe.
 
Bleibt oder werdet gesund!!!
Mit sportlichen Grüßen
TIROLER FUSSBALLVERBAND
Dr. Josef GEISLER

Präsident