… Dauerbrenner MCI …

MCI: Offener Brief der ArchitektInnenschaft aus gegebenem Anlass

Kostenexplosionen, Architekturwettbewerbe und Baukultur

Die anhaltende Diskussion um Kosten und Verfahren für den geplanten Neubau des MCI und die Ankündigung einer Neuausschreibung veranlasst uns – die ArchitektInnenschaft, vertreten durch die Bundeskammer der ZiviltechnikerInnen, die Kammer der ZiviltechnikerInnen für Tirol und Vorarlberg, das aut. architektur und tirol, die Zentralvereinigung der ArchitektInnen Tirol, sowie die Architekturfakultät Innsbruck – zu diesem Schreiben. Um einerseits die Ursachen der dargelegten „Probleme“ zu hinterfragen und andererseits ein Plädoyer für die Leistungen und die Integrität der ArchitektInnenschaft zu verfassen.

Bildergebnis für mci neubau

Das Siegerprojekt aus dem Jahr 2015, das nicht realisiert wird. Foto MCI, ORF

Das MCI sei diesbezüglich nur beispielhaft erwähnt, da keine Woche vergeht, in der nicht über „explodierende“ Baukosten in den Tageszeitungen zu lesen ist. Die Kausalität, die Frage nach der Beziehung zwischen Ursache und Wirkung, scheint dabei in der Analyse vernachlässigt zu werden. Stattdessen wird eilig reagiert, schnell werden vermeintlich Schuldige ausfindig gemacht und alternative Prozesse initiiert. Prozesse, die offensichtlich auf ähnlich überhasteten Überlegungen basieren, wie auch die Entscheidungen innerhalb der Projektvorbereitungs- und Überarbeitungsphase, die schlussendlich in ein Dilemma führten.

Die Projektvorbereitungsphase dient dazu ein konkretes Bauvorhaben zu formulieren, Projektziele zu definieren, um damit eine konkrete „Bestellung“ aufzugeben. Diese Phase muss zu einer Synthese komplexer Rahmenbedingungen führen, wie Kostenrahmen, Funktions- und Nutzungskonzept sowie Qualitätsansprüche architektonischer und städtebaulicher Art. Fehlt der Projektvorbereitungsphase das notwendige Verständnis der Komplexität und Zusammenhänge solcher Bauvorhaben, verliert sie den Blick auf das Projekt an sich und führt fast unweigerlich zu jenen Diskrepanzen, die unter anderem in sogenannten „Kostenexplosionen“ enden können.

Beim Neubau des MCI wurde über Baukostenexplosionen berichtet, diese aber nicht nachvollziehbar und transparent belegt. Die Presse kolportiert anhand vieler und nicht vergleichbarer Zahlen und in Ermangelung einer differenzierten Kenntnis um Baukosten, Bauwerkskosten, Errichtungskosten und Investitionskosten ein äußerst diffuses Gesamtbild in der Wahrnehmung von Kosten in der Öffentlichkeit. Dadurch entstehen verzerrte Rückschlüsse, die die ArchitektInnenschaft zu Unrecht belasten und ihrem Ansehen schaden. Im Fall des MCI halten wir klar fest, dass seitens der Architekten, die mit der Planung des Neubaus beauftragt waren, keine Fehlkalkulation der Bauwerkskosten des MCI vorliegt. Denn unseres Wissens nach betragen die derzeitigen Gesamtkosten des MCI Euro 122 Mio (inkl. Mwst.), und es verwundert daher, dass in der Presse von einer Neuausschreibung des Projekts mit einem Kostenrahmen zwischen Euro 125 bis 150 Mio berichtet wird. Worin darin die Einsparungen liegen sollen, ist uns unverständlich, zumal es auch keine Einsicht in die Kalkulationen gibt.

Das mangelnde Verständnis von Kausalität und die öffentliche Intransparenz der Kostenargumente, die zu falschen Vorwürfen führten, zeichnet mittlerweile ein negatives Bild von Architekturwettbewerben. Der Wettbewerb ist eines der wichtigsten Instrumente zur Förderung der Baukultur in unserer Gesellschaft und dient der Findung des „besten” Projekts auf Basis einer Ausschreibung. Das Land Tirol trägt sowohl als gesetzgebende Instanz als auch als wichtiger, öffentlicher Bauherr größte Verantwortung dafür. Diese Verantwortung wird auch durch den dritten österreichischen Baukulturreport vermittelt – beauftragt durch das Bundeskanzleramt –, in dem sich die Bundesregierung zur Förderung der Baukultur und dem damit verbundenen Wettbewerbswesen bekennt.

Folgende Punkte werden in diesem Report als strategische Leitgedanken für die öffentliche Hand formuliert:

  • Bewusstsein für Baukultur entwickeln und geeignete Strukturen fördern!
  • Gemeinwohl stärken!
  • Ganzheitlich, langfristig und innovativ planen!
  • Flächen und andere Ressourcen mit Bedacht nutzen!
  • Öffentliche Mittel an Qualitätskriterien knüpfen!

Die Wettbewerbskultur in Tirol ist eine Erfolgsgeschichte, hat diese Leitgedanken stets verfolgt und in der Stadt Innsbruck wie im Land Tirol zu einer qualitativ hochwertigen Architektur geführt, die national wie auch international wahrgenommen wird. Darüber hinaus haben MitarbeiterInnen des Landes Tirol an dem Baukulturreport mitgearbeitet und sollen in den nächsten Monaten dessen Inhalte auch kommunizieren. Durch die Neuausschreibung des MCI gerät diese hochstehende Wettbewerbskultur und der Anspruch an eine qualitativ hochwertige Architektur in Bedrängnis. Denn Verfahren wie jene einer Generalübernehmerausschreibung können den Architekturwettbewerb und dessen Ziel, das beste Projekt für einen Standort zu jurieren, nicht ersetzen und sind für uns daher entschieden abzulehnen.

Denn der Generalübernehmer garantiert mit seinem Angebot nicht für die Qualität des Bauwerks und seiner Architektur, sondern gibt nur eine vermeintliche Kostengarantie ab. Die involvierten Planer sind damit in allen Belangen dem Generalübernehmer ausgeliefert bzw. vertraglich verpflichtet. Demzufolge können ArchitektInnen ihren Auftrag als ZiviltechnikerInnen, die dem Gemeinwohl und somit der Qualität von Architektur verpflichtet sind, nicht mehr erbringen und werden zu ErfüllungsgehilfInnen von Bauwerken, die zumeist weder nachhaltig noch Ausdruck einer kultivierten Gesellschaft sind. Wenn vorwiegend nur mehr JuristInnen und Finanzcontroller bestimmen, wie und in welcher Qualität gebaut wird, relativiert sich das Thema des Qualitätsanspruchs wie der Baukultur und kann nur als Rückschritt interpretiert werden. Die politischen VertreterInnen sowie alle EntscheidungsträgerInnen sollten vielmehr daran arbeiten, die Baukultur weiterhin in guter und konstruktiver Zusammenarbeit mit den ArchitektInnen zu fördern.

  • Für die Bundeskammer der ZiviltechnikerInnen, Daniel Fügenschuh – Vizepräsident und Bundessektionsvorsitzender
  • Für die Kammer der ZiviltechnikerInnen für Tirol und Vorarlberg, Hanno Vogl-Fernheim – Präsident, Ursula Faix und Christian Höller – Vorstandsmitglieder
  • Für das aut. architektur und tirol, Kathrin Aste – Vorsitzende, Arno Ritter – Direktor
  • Für die Architekturfakultät der Universität Innsbruck, Gabriela Seifert-Kavan – Dekanin, Kristina Schinegger – Studiendekanin
  • Für die Zentralvereinigung der Architekten Österreichs, Tirol, Rainer Noldin – Präsident, Barbara Poberschnigg – Vizepräsidentin

LA DI Evelyn Achhorner meint dazu:

DI Achhorner: „MCI-Kostenexplosion liegt einzig und allein in der Verantwortung des Auftraggebers – dem Land Tirol.“
Utl.: FPÖ-Wohnbau- und Bautensprecherin unterstützt die Position der Architektenschaft hinsichtlich MCI Neubau.

Der „Offene Brief“ der Architektenschaft hinsichtlich des Umgangs mit Wettbewerben und Auftragsvergaben offenbart für FPÖ-Wohnbau- und Bautensprecherin Landtagsabgeordnete DI Evelyn Achhorner die wahren Ursachen der Kostenexplosion des Neubaus des Management Centers Innsbruck (MCI). „Es ist gibt weder eine Schuld der Architekten, die den Wettbewerb gewonnen haben, noch derer, die am Wettbewerb teilgenommen haben, sondern sie liegt einzig und alleine in der Verantwortung des Auftraggebers, dass der Kostenrahmen gesprengt wurde“, so DI Achhorner, die selber im Zivilberuf Architektin ist.

Sie ortet Mängel in den Abteilungen des Landhauses: „Ursächlich sind leider Fehler beim Land und des Büros der Wirtschaftslandesrätin, da noch nie vorher so ein großes Projekt selbst abgewickelt wurde. Wobei der Wettbewerb selbst hochprofessionell vom Landeshochbau gemeinsam mit der Architektenkammer vorbereitet worden ist“, konkretisiert DI Achhorner.

„Der Kostenrahmen wurde nämlich auf Basis eines nachweislich falschen Nettoflächen/Bruttogeschossflächen-Faktors von Seiten des Auslobers, also des Landes, hochgerechnet, wie im „Offenen Brief“ betont wurde. Von da an nahm das Unglück seinen Lauf, aber wie wir seit Monaten feststellen, auch kein Wunder. Eine neuerliche Ausschreibung des Projekts würde nur weitere Kosten verursachen, bis jetzt wurden übrigens schon drei Millionen Euro verbraucht. Ich bin gespannt, wie das der
Bevölkerung erklärt wird, denn nur diese Verantwortung zählt schlussendlich.“