… Sprachenstreit …

Probleme mit der Rechtsschreibung, eine falsche Betonung eines Wortes oder der Dialekt. So mancher von uns, wenn nicht gar jeder, ist schonmal über die deutsche Sprache gestolpert. Die Reaktionen reichen dabei von Schmunzeln bis zum „shit-storm“.

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Jetzt sorgt das „Bundesgesetz, mit dem das Schulorganisationsgesetz, das Schulunterrichtsgesetz und das Schulpflichtgesetz 1985“ geändert werden soll, für Aufregung in der Tiroler Landeshauptstadt. Siehe Artikel Tiroler Tageszeitung, 12.6.2018: http://www.tt.com/politik/landespolitik/14460427-91/deutschklassen-innsbruck-boykottiert-regierungspl%C3%A4ne.csp

sowie die ausführliche Diskussion der Leser unter:

http://www.tt.com/politik/landespolitik/14460427-91/deutschklassen-innsbruck-boykottiert-regierungspl%C3%A4ne.csp?tab=diskussion

und news.at, 12.6.2018 meint dazu:

„Augenscheinlich gar nicht glücklich ist die Innsbrucker ÖVP mit der Ankündigung von SPÖ-Bildungsstadträtin Elisabeth Mayr, die Deutschförderklassen in Innsbruck nicht umzusetzen zu wollen. Für die ÖVP sei es vollkommen selbstverständlich, „dass sich alle politischen Verantwortungsträger in der Stadt natürlich an alle Gesetze halten“, so VP-Stadtparteiobmann Vizebürgermeister Franz X. Gruber.

„Scharfe Kritik kam von den Freiheitlichen: „Die linkslinke Stadt-SPÖ ruft öffentlich zum Gesetzesbruch auf. Das ist eine Unverfrorenheit, die wir sicherlich nicht dulden werden“, erklärten Landesparteiobmann Markus Abwerzger und FPÖ-Stadtparteiobmann und Stadtrat Rudi Federspiel in einer gemeinsamen Aussendung. Die SPÖ wolle anscheinend keine Integration, sondern forciere die Bildung von Parallelgesellschaften. Deutschförderklassen seien „ein bildungspolitischer Meilenstein“. Sollte tatsächlich eine koalitionsübergreifende Vereinbarung zum Boykott vorliegen, dann müsse die Stadt-ÖVP sofort aus der Koalition austreten, forderte Abwerzger: „Oder die türkise Regierungspartei in Wien muss die Innsbrucker ÖVP-Mandatare aus der Partei ausschließen.“

Was steht im Regierungsprogramm der GGSR (grün, gelb, rot und schwarzen Stadtregierung):

Im Kapitel Integration 2018 bis 2024 heißt es:

Die Sprach- und Bildungsoffensive für Zugewanderte soll durch bestehende und allfällige neue Einrichtungen abgesichert und Qualitätskriterien ausgearbeitet werden. Drop-Out-Quoten sollen gesenkt werden. Dabei sollen besonders Kurse für Frauen mit Kinderbetreuungspflichten bedarfsgerecht angeboten werden. Das neue Format „Deutsch im Sommer“ soll jedenfalls fortgesetzt werden, damit es zu keinen Lücken beim Spracherwerb kommt. Darüber hinaus wollen wir das städtische Angebot der Rechts- und Wertevermittlung für Menschen im Asylverfahren beibehalten. Dies geschieht in Kooperation mit dem Land Tirol, Jobservice Tirol und anderen Angeboten des AMS.

Im Kapitel Bildung 2018 bis 2024 heißt es:

Die Stadt Innsbruck setzt sich im Rahmen des Städtebundes dafür ein, dass es zu keiner Einrichtung von durchgehend getrennten Sprachlernklassen und einer Kürzung der Angebote der sprachlichen Frühförderung kommt. Die zuständigen Behörden werden zudem ersucht, in Innsbruck möglichst auf Timeout-Klassen zu verzichten und die dafür vorgesehenen und bereitgestellten Ressourcen für andere Fördermaßnamen, die für die Zielgruppe mit Stützlehrer*innen etc. verwendet werden, bereitzustellen.

Das Arbeitsübereinkommen der GGRS für 2018 bis 2024 gibt es hier als pdf Datei.

Der Städtebund hat sich Anfang Mai in der Begutachtungsphase des Gesetztes kritisch zu einzelnen Punkten gemeldet:

Kritikpunkt 1: Separierungsgesetz widerspricht Schulautonomie und ist starr und unflexibel

Es ist kein Gestaltungsspielraum mehr gegeben, um individuelle Förderungen anzubieten.

Eine autonome Schule weiß am besten, wie sie die Deutschförderung für ihre SchülerInnen organisieren soll und welche Unterstützung für die SchülerInnen am sinnvollsten ist, um diese dann gezielt anbieten zu können.

Jene Schulen, die bisher schon in mühevoller Arbeit wirksame Konzepte zur Integration von Kindern mit nichtdeutscher Erstsprache entwickelt haben, werden frustriert und vor den Kopf gestoßen.

Ausgangssituation von Region zu Region und Schule zu Schule verschieden – ein starrer Bewertungskatalog greift zu kurz.

Kritikpunkt 5: Fehlende Räume

Deutschförderklassen benötigen zusätzliche Raumressourcen. Bereits jetzt stehen Schulen vor allem in Ballungsgebieten oft zu wenige Räume zur Verfügung.

Es ist zu befürchten, dass die Raumgröße oftmals nicht ausreicht, d.h. dass nicht alle Räume, die bisher für Sprachförderung herangezogen wurden, wie Werkraum, GTS, Arztzimmer, etc., künftig für „volle“ Deutschförderklassen à 25 Kinder verwendet werden können.

Zudem ist die Ausstattung von Räumen oft nicht für Unterrichtszwecke (Tafel, Bestuhlung, etc.) vorgesehen.

Diesbezügliche Kritik kommt von: Landesregierung Steiermark, Stadt Graz, Volksschule Neufelden, BAK, Gewerkschaft PflichtschullehrerInnen, ÖLI-UG, Stadt Wien, Schulautonomie Monitoring, Volksschule 47 in Linz, Bildung Grenzenlos, Landesschulrat für Kärnten, SLÖ Kärnten, GÖD Kärnten, Österreichischer Städtebund, SLOÖ, LeiterInnen – ZAG der Wiener Pflichtschulen, Grüner Klub im Wiener Rathaus

Nachzulesen auf: https://www2.sosmitmensch.at/kritische-stellungnahmen-zu-separierungsgesetz

Auszug, diepresse.com, 12.6.2018:

„Deutschklassen

Kinder, die dem Unterricht nicht ausreichend folgen können, werden als sogenannte außerordentliche Schüler eingestuft und kommen ab Herbst für maximal vier Semester in eine eigene Deutschförderklasse. Dort wird dann in 15 bis 20 Wochenstunden nach eigenem Lehrplan Deutsch unterrichtet – für Gegenstände wie Zeichnen, Musik oder Turnen werden die Kinder dann aber altersgemäß den normalen Regelklassen zugeteilt. Einschränkung: Die Klassen werden erst ab acht Schülern pro Standort eingerichtet. Besuchen müssen sie außerdem nur jene Kinder, die in der ersten Schulstufe aufgenommen wurden, oder gerade in Österreich angekommene Quereinsteiger ins Schulsystem.

Nach jedem Semester soll dann nach einem österreichweit einheitlichen Test überprüft werden, ob die Kinder dem Regelunterricht mittlerweile ausreichend folgen können. Ist dies der Fall, können sie in die Regelklassen wechseln. Dort erhalten sie noch sechs Stunden pro Woche parallel zum Unterricht Förderung in einem Deutschförderkurs.“