… pest oder cholera …

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Das hört man des Öfteren in den Innsbrucker Straßen, wenn es um die Stichwahl des Bürgermeisteramtes zwischen Bürgermeisterin Mag. Christine Oppitz-Plörer (Für Innsbruck) und Georg Willi (Grüne Innsbruck) geht. Leider.

Die Gleichsetzung „tödlicher Krankheiten“ mit lebenden und handelnden Menschen, überschreitet sehr wohl die Grenzen des Respekts. Egal ob „Christine“ oder „Willi“, bei allen Fehlern und möglichen Fehlentscheidungen werden sie wohl keine schweren Verletzungen für die Wähler mit sich bringen.

Der Vergleich zeigt aber auch deutlich, wie tief das Misstrauen der Wähler gegenüber politisch tätigen Menschen ist. Eine Entwicklung, die sich Politiker und Parteien selber zuzuschreiben haben. Fehlende Bürgerbeteiligung, Transparenz, Mitbestimmung für die Bürger wird gepaart mit politischen Skandalen, fehlender Glaubwürdigkeit und zweifelhaften Moralvorstellungen der Politiker.

Die Vielzahl an „schönen Wahlversprechen“, wie sie jetzt auch in Innsbruck zu finden sind, ist ein weiterer Mosaikstein. Beispiele dazu kann jeder gerne selbst einsetzen:

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Dazu passend kommen extrem ideologisierte Jungpolitiker, die in sozialen Medien Rundumschläge gegenüber anderen Politikern in den Mittelpunkt stellen und sich vor allem durch fehlenden Respekt gegenüber Anderen, der Geschichte des eigenen Landes und auch Besitztum Anderen (man denke an die Schmieraktionen) auszeichnen. Beispiele und Namen kann ebenfalls jeder gerne wieder selbst einsetzen:

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Im Internet finden man unter „Redensarten“ folgende Erklärung:

Cholera und Pest gelten als Geißeln der Menschheit, denen im Laufe der Jahrhunderte Millionen Menschen zum Opfer gefallen sind. Die Übertragung auf die Wahl zwischen zwei Übeln ist oft in der Politik gebräuchlich. Der „Spiegel“ schreibt den Ausdruck 1965 dem französischen Politiker Pierre Poujade zu: „… die Entscheidung zwischen de Gaulle und Defferre sei wie eine ‚Wahl zwischen Pest und Cholera'“ (26/1965, „Pest und Cholera“, S. 78)

In der Süddeutschen Zeitung heißt es zu diesem Vergleich:

„Denn in den meisten Fällen wird vor einem „Pest und Cholera“-Vergleich gar nicht genau danach gefragt, worin Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Kandidaten bestehen. Und vor allem nicht danach, wie sie zu gewichten sind. Allein die Tatsache, dass viele irgendetwas an beiden Kandidaten stört, scheint auszureichen, um sie mit zwei gleichermaßen tödlichen Krankheiten zu vergleichen. Doch so ein Vergleich macht alle nötigen Differenzierungen zunichte.

Aus der Perspektive der Logik handelt es sich hier um eine falsche Äquivalenz. Zwei Dinge werden aufgrund einer einzelnen geteilten Eigenschaft fälschlicherweise insgesamt gleichgesetzt. Zum Beispiel: Orangen und Äpfel haben Kerne. Also sind Orangen wie Äpfel. Der Fehler: Allein die Tatsache, dass zwei Dinge, Personen oder Sachverhalte etwas gemeinsam haben, heißt noch nicht, dass sie auch alle weiteren Eigenschaften teilen.“

Zurück zu Christine und Willi (Auszüge aus Wikipedia):

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Christine Oppitz-Plörer (7. Juni 1968)

1986 legte sie ihre Matura am Wirtschaftskundlichen Realgymnasium der Ursulinen ab und besuchte anschließend bis 1988 die Handelsakademie in Innsbruck. Sie studierte Volkswirtschaftslehre; ihr Studium beendete sie 1993. Bei der Tiroler Landeskrankenanstalten GmbH war sie von 1996 bis 2002 beschäftigt und besuchte gleichzeitig ab 1999 einen Ausbildungslehrgang, den sie 2002 als Diplomierte Krankenhausbetriebswirtin abschloss.

Christine Oppitz-Plörer wurde im Jahr 2000 in den Gemeinderat von Innsbruck gewählt. Zuvor war sie seit 1994 Ersatzmitglied gewesen. Im Juni 2009 wurde sie zur zweiten Vizebürgermeisterin gewählt. Am 8. März 2010 wurde sie als Nachfolgerin von Hilde Zach vom Gemeinderat zur Bürgermeisterin von Innsbruck gewählt. Am 29. April 2012 wurde Oppitz-Plörer – diesmal direkt – wiedergewählt.

Georg Willi (6. Mai 1959)

Er legte 1977 die Matura am Akademischen Gymnasium Innsbruck ab und besuchte zwischen 1977 und 1978 den Abiturientenlehrgang an der HAK Innsbruck. Danach studierte er von 1979 bis 1989 Biologie und Jus (nicht abgeschlossen).

Willi war von 1989 bis 1994 Gemeinderat für die Vereinten Grünen in Innsbruck. Am 5. April 1994 zog Willi in den Tiroler Landtag ein. Gleichzeitig wurde er zum Klubobmann der Grünen im Tiroler Landtag gewählt und übte diese Funktion bis 2013 aus. 2006 kandidierte Georg Willi bei der Gemeinderatswahl in Innsbruck. Er wurde als Bürgermeisterkandidat beworben. Nachdem es den Grünen nicht gelang, in die Stadtregierung einzuziehen, blieb Willi als Abgeordneter im Landtag. Vom 29.10.2013 bis 08.11.2017 war der Abgeordneter zum Nationalrat.

Wer am Sonntag gewählt wird, entscheidet der Wähler. Eine sachliche Entscheidung wird es wohl nicht mehr werden, in der Wahlwerbung geht es um Emotionen und Sympathie. Wie Sie als Wähler entscheiden, ist allein ihre Entscheidung, nur von besonderen Bedeutung ist, dass Sie diese auch treffen.

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Und ganz persönlich: wer mich kennt, weiß meine Entscheidung 😊 Und meine Stimme ist im Gegensatz zu den vielen großartigen Aufrufen in den letzten Tagen (PS.: Man könnte seinen Wohnsitz nach Innsbruck verlegen, dann kann man ja hier direkt mitbestimmen) nicht vom öffentlichen Interesse.

 

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